Perowskit-Solarzellen: Internationaler Konsens über Alterungs-Messprotokolle
© Catalan Institute of Nanoscience and Nanotechnology
Expertinnen und Experten aus 51 Forschungseinrichtungen, darunter auch aus dem HZB, haben sich nun auf die Verfahren geeinigt, um die Stabilität von Perowskit-Solarzellen zu messen und ihre Qualität zu bewerten. Die Konsenserklärung wurde in Nature Energy publiziert und gilt als Meilenstein für die weitere Entwicklung dieses neuen Solarzellen-Typs auf dem Weg zur industriellen Anwendung. Kommerziell erhältliche Solarmodule durchlaufen eine Reihe von Charakterisierungsverfahren, die ihre Eigenschaften analysieren und die Qualität sicherstellen. Diese Verfahren lassen sich jedoch nicht einfach auf Halogenid-Perowskit-Solarzellen übertragen. Halogenid-Perowskite sind hybride anorganisch-organische Materialien für eine neue Generation von Solarzellen, die erst seit etwa elf Jahren untersucht werden. Perowskit-Solarzellen erreichen sehr hohe Wirkungsgrade und können äußerst kostengünstig als extrem dünne Schichten aus einer Lösung aufgetragen werden. Allerdings sind Perowskit-basierte Solarzellen bislang noch nicht stabil genug, um auf den Markt zu kommen.
Protokolle und Testverfahren
Nun haben sich internationale
Expertinnen und Experten aus 51 Forschungseinrichtungen unter der
Leitung von Prof. Mónica Lira-Cantú (Institut Catala de Nanosciencia i
Nanotechnologia) und Prof. Eugene A. Katz (Ben-Gurion-Universität des
Negev) auf eine Sammlung von Alterungsprotokollen geeinigt, die für
diese Materialklasse geeignet sind.
Aus dem
Helmholtz-Zentrum Berlin waren Prof. Antonio Abate und sein Doktorand
Hans Köbler beteiligt. Auch der Erstautor der Studie, Dr. Mark Khenkin,
ist inzwischen als Postdoc am HZB-Institut PVcomB tätig. Eugene Katz
wird demnächst einen längeren Forschungsaufenthalt am HZB absolvieren.
Die
Konsenserklärung erweitert die 2011 für organische Solarzellen
entwickelten ISOS-Protokolle für die Stabilitätsbewertung von
Perowskit-Photovoltaik um weitere Tests und Kenngrößen. Die
Testverfahren sind auf die spezifischen Merkmale von
Perowskit-Solarzellen zugeschnitten und können so deren besondere
Eigenschaften ebenfalls abbilden.
Schub für Technologietransfer
Der Konsens
ermöglicht insbesondere eine bessere Vergleichbarkeit der Daten zur
Alterung zwischen internationalen Laboren und fördert somit
aussagekräftige Analysen der Degradationsprozesse, die die Stabilität
beeinträchtigen. Eine Checkliste für die Berichterstattung über die
Ergebnisse soll die Reproduzierbarkeit verbessern. Damit ist ein großer
Meilenstein auf dem Weg vom Labor in die Industrie erreicht, schreibt
Nature Energy in einem Vorwort der Veröffentlichung, die inzwischen
sogar von der Europäischen Kommission hervorgehoben wurde.
Die Konsenserklärung ist publiziert in Nature Energy 2020: "Consensus statement for stability assessment and reporting for perovskite photovoltaics based on ISOS procedures".