Fraunhofer-Neubau stärkt Campus Poppelsdorf als Standort für KI-Forschung
Außenraumperspektive des Fraunhofer-Neubaus © Bild: Henn GmbH, München
Auf dem Campus Poppelsdorf der Universität Bonn entsteht ein neuer Fraunhofer-Forschungsbau für Künstliche Intelligenz, Datenanalyse und Hochleistungsrechnen. Der Architekturwettbewerb für das Fraunhofer-Center for Next Generation High Performance Data Analytics and Computing, kurz NG-HPDAC, ist entschieden. Den ersten Preis erhielt Henn Architekten aus München.
Der Neubau ist als gemeinsame Forschungseinrichtung der Fraunhofer-Institute SCAI und IAIS geplant. Er soll die Bonner Außenstelle von SCAI aufnehmen und zugleich die räumliche Ausstattung für neue Forschungsaktivitäten beider Institute bereitstellen. Im Mittelpunkt stehen Algorithmen für Maschinelles Lernen, große KI-Modelle, Quantencomputing und energieeffizientes Hochleistungsrechnen. Für Bonn bedeutet das Projekt eine weitere Stärkung des Standorts für angewandte KI-Forschung und rechenintensive Wissenschaft.
Der Finanzierungsbedarf beträgt 56 Millionen Euro für den Bau und die Erstausstattung. Vorgesehen sind rund 2.424 Quadratmeter Nutzfläche und Arbeitsplätze für etwa 180 Mitarbeitende. Zum Raumprogramm gehören flexible Büroflächen, hybride Coworking-Bereiche und ein rund 800 Quadratmeter großes Rechenzentrum für Hochleistungsrechnen. Das neue Gebäude soll nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen mit Silber zertifiziert werden und die Energieeffizienzklasse 40 erreichen.
Der Siegerentwurf setzt auf eine klare Trennung der Funktionen. Das Rechenzentrum und die Bürobereiche werden in zwei eigenständigen Gebäudeteilen untergebracht. Der kürzere Baukörper liegt an der Reinhard-Selten-Straße und nimmt das Rechenzentrum auf. Dahinter schließt sich ein längerer Bürotrakt an. Durch diese Anordnung entsteht ein Vorplatz, der den Eingang zur Straße hin öffnet und das Gebäude besser in die Umgebung des Campus einbindet.
Das Preisgericht tagte am 22. Mai in Bonn unter dem Vorsitz des Münchner Architekten Prof. Ludwig Wappner. Die mit Fachleuten aus Architektur, Planung und Bau besetzte Jury setzte den Entwurf von Henn einstimmig mit 11 zu 0 Stimmen auf den ersten Platz. Besonders überzeugte die städtebauliche Lösung: Sie öffnet den Neubau zur Reinhard-Selten-Straße, gibt dem Eingang eine klare Adresse und bindet das Gebäude schlüssig in den Campus ein. Die Jury hob zudem die klare innere Organisation des Gebäudes hervor. Öffentliche Bereiche, Büros und interne Arbeitszonen lassen sich gut voneinander abgrenzen. Treppenhaus und Wegeführung befinden sich im Verbindungsteil zwischen Rechenzentrum und Bürotrakt.
Der zweite Preis ging an BE – Baumschlager Eberle aus Berlin, der dritte an Schulz & Schulz aus Leipzig. Anerkennungen erhielten gmp und BHVT, beide ebenfalls aus Berlin. Insgesamt nahmen 20 Büros am nichtoffenen einphasigen Realisierungswettbewerb teil. 16 Entwürfe wurden eingereicht.
Die Vor- und Entwurfsplanung ist für August 2026 vorgesehen. Das NG-HPDAC soll Forschung in den Bereichen KI, Datenanalyse und Hochleistungsrechnen stärker mit konkreten Anwendungen verknüpfen. Ziel ist es, Unternehmen und Organisationen zu unterstützen, die datenbasierte Prozesse, KI-Systeme und energieeffiziente Rechenverfahren einsetzen möchten.