Wie Unternehmen Nachhaltigkeit und Digitalisierung gemeinsam gestalten
Foto: Das Projekt „DualStrat“ wurde von einem interdisziplinären Team aus Forschung und Industrie umgesetzt.
Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind in Unternehmen zwei zentrale Handlungsfelder, die für den Geschäftserfolg von entscheidender Bedeutung sind. Im Projekt „DualStrat“ haben sich Partner*innen aus Wissenschaft und Industrie deshalb vorgenommen, die beiden Bereiche gemeinsam zu betrachten und einen Ansatz zum strategischen Management der sogenannten „Dualen Transformation“ in Industrieunternehmen zu entwickeln. Wissenschaftler*innen der Fachgruppe „Behavioral Economic Engineering and Responsible Management“ an der Universität Paderborn entwickelten unter anderem konzeptionelle Modelle und Methoden für das strategische Management der Dualen Transformation sowie Instrumente zur datenbasierten Nachhaltigkeitssteuerung.
Während die digitale Transformation bereits seit mehreren Jahren fest auf der strategischen Agenda vieler Unternehmen steht, gewinnt mittlerweile auch die unternehmerische Nachhaltigkeitstransformation immer mehr an Relevanz. Auslöser hierfür sind auch rechtliche Rahmenbedingungen wie der European Green Deal. „Erfahrungsgemäß können digitale Technologien beim Erreichen ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ziele sehr gut unterstützen“, erklärt Thorben Scholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachgruppe am Paderborner Heinz Nixdorf Institut. „Zur ganzheitlichen Planung und agilen Steuerung der dualen Transformation bedarf es allerdings eines integrierten strategischen Managementansatzes, der auch interne und externe Stakeholder miteinbezieht.“
Lösungen für konkrete Anwendungsfälle
Im produzierenden Sektor finden sich beeinflussbare Nachhaltigkeitsaspekte beispielsweise sowohl bei Lieferant*innen, etwa
beim Zukauf von recycelbaren Rohstoffen, als auch bei Kund*innen, z. B.
beim emissionsarmen Einsatz des verkauften Produkts. Das
Projektkonsortium von „DualStrat“ hat deshalb die gesamte
Wertschöpfungskette von produzierenden Unternehmen in den Fokus
genommen. Anhand konkreter Anwendungsfälle konnten dabei exemplarisch
ein digitaler Produktpass und eine datenbasierte Analyse des
Produktlebenszyklus konzipiert und umgesetzt werden. Im Projekt
entstanden darüber hinaus wissenschaftlich fundierte Modelle und
Methoden zur strategischen Steuerung der Dualen Transformation, darunter
ein Referenzmodell, ein Vorgehensmodell für die Strategieentwicklung
sowie Governance- und Bewertungsinstrumente, die Unternehmen bei der
Integration von Nachhaltigkeit und Digitalisierung unterstützen. Zudem
entwickelten Wissenschaftler*innen der Universität Paderborn in
Zusammenarbeit mit der Weidmüller Interface GmbH & Co. KG einen
Ansatz für die datenbasierte Steuerung von Nachhaltigkeitsstrategien
einschließlich eines Kennzahlen-Systems und eines digitalen Dashboards.
„Trotz der erreichten Forschungsergebnisse ist eine systematische und breitangelegte Umsetzung der dualen Transformation in der Industrie nach wie vor nicht gängige Praxis. Vielmehr bedarf es einer gezielten methodischen Unterstützung bei der Umsetzung technisch komplexer Transformationsvorhaben an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Digitalisierung“, erklärt Scholz. In aktuell laufenden Projekten wie „GoProZero“ oder „iPassPro“ wird die Forschung entsprechend vertieft.
Neue Fokusgruppe „Nachhaltigkeit & Circular Economy“
Für die praktische Umsetzung ist darüber hinaus ein kontinuierlicher Austausch zwischen Industrie und Forschung essenziell. Aus diesem Grund
wird der in dem Projekt initiierte Arbeitskreis verstetigt und in eine
it´s OWL Fokusgruppe „Nachhaltigkeit & Circular Economy“ überführt.
Auch nach dem Projektabschluss ermöglicht diese weiteren interessierten
Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen den Austausch zu
nachhaltigkeits- und digitalisierungsspezifischen Fragestellungen in der
Region.
Das Projekt „DualStrat“ wurde über drei Jahre mit 3,28 Millionen Euro durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Konsortialführer war die it’s OWL GmbH. Neben der Universität Paderborn waren das Fraunhofer IEM, InnoZent OWL, das Wuppertal-Institut sowie die Unternehmen Böllhoff, Hanning, Schmitz Cargobull und Weidmüller am Projekt beteiligt. Die wesentlichen Ergebnisse in Form von Vorträgen, eines Whitepapers sowie Projektvideos sind auf der it´s OWL Innovationsplattform einsehbar und kostenfrei verfügbar.
