Die nächste Generation Computerchips ist Made in Aachen
Chips, die Daten mit Licht statt mit Strom übertragen. Das ist die Technologie der Zukunft, davon sind Dr. Daniel Schall und sein Bruder Sebastian Schall überzeugt. Während herkömmliche Computer-Technologie auf Halbleiter-Basis an ihre Leistungsgrenze stößt, setzen die Schalls auf Graphen als schnelleres und energieeffizienteres Material, welches elektrische direkt in optische Signale verwandeln kann. Nachdem alle Fragen rund um die Bauteil-Physik geklärt waren, gründeten die beiden im Jahr 2020 aus dem Forschungsinstitut AMO heraus das Unternehmen Black Semiconductor. Und mit der Einsicht des Marktes, dass Transistoren nicht mehr kleiner und Halbleiter kaum mehr effizienter werden können, bei gleichzeitig rasant wachsendem Bedarf an Rechenleistung durch den KI-Hype, wuchs das Interesse an dieser jungen Firma aus Aachen. Zig Investments später entsteht im Aachener Stadtteil Rothe Erde eine Pilotanlage zur Fertigung der Graphen-Mikrochips (Wafer) in industriell relevantem Maßstab. Die Zukunft hat begonnen.
Es ist eine Geschichte, die auch aus dem gründungsstarken Umfeld der RWTH Aachen sehr sichtbar herausragt – nicht nur mit der 15.000-Quadratmeter-FabONE-Produktionshalle in Rothe Erde. Eine dreistellige Millionensumme wurde bereits in die innovative Idee investiert, die Zahl der Mitarbeitenden ist auf mehr als 130 gestiegen, ganz Europa blickt nach Aachen, wenn es darum geht, technologische Unabhängigkeit von den Weltmarktführern in den USA und China zu gewinnen. Am Samstag, 5. September, nehmen Daniel und Sebastian Schall für Black Semiconductor um 19 Uhr in einem Festakt im Krönungssaal des Rathauses den Aachener Ingenieurpreis – entgegen. „Durch die Entwicklung neuartiger Chip-Interconnects auf Basis von Graphen setzt Black Semiconductor neue Maßstäbe für energieeffiziente und hochskalierbare Datenverbindungen direkt auf dem Chip. Dieser innovative Ansatz adressiert zentrale Leistungs- und Effizienzgrenzen bestehender Halbleiterarchitekturen und trägt entscheidend zur nächsten Generation von Hochleistungs- und KI-Systemen bei“, heißt es in der Begründung des Beirats des Aachener Ingenieurpreises.
„Black Semiconductor stärkt den europäischen Halbleiterstandort durch seine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und seine industrielle Ausrichtung nachhaltig. Das Unternehmen verkörpert somit in besonderer Weise innovationsgetriebene Ingenieurleistung, die strategische Bedeutung für Zukunftstechnologien hat“, erklärt der Rektor der RWTH, Professor Ulrich Rüdiger. „Black Semiconductor steht für den Aufbruch einer neuen industriellen Ära in Aachen. Hier entstehen nicht nur hochinnovative Chips, sondern auch Arbeitsplätze, internationale Strahlkraft und technologische Souveränität für Europa. Wir sind stolz, dass dieses Zukunftsunternehmen bewusst auf Aachen setzt“, erklärt Dr. Michael Ziemons, Oberbürgermeister der Stadt Aachen.
Gemeinschaftliche Auszeichnung Der Aachener Ingenieurpreis ist eine gemeinschaftliche Auszeichnung der RWTH und der Stadt Aachen – mit freundlicher Unterstützung des Vereins Deutscher Ingenieure VDI als Preisstifter. Jährlich werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die mit ihrem Schaffen einen maßgeblichen Beitrag zur positiven Wahrnehmung oder Weiterentwicklung des Ingenieurwesens beziehungsweise der Wissenschaften geleistet haben. Die Auszeichnung wird bereits zum zwölften Mal verliehen.
Erster Preisträger war Professor Berthold Leibinger (gestorben 2018), Gesellschafter der TRUMPF GmbH + Co. KG. Es folgten Professor Franz Pischinger, Gründer der Aachener FEV Motorentechnik GmbH, der Astronaut Thomas Reiter, der langjährige Direktor am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, Professor Manfred Weck (gestorben 2024), Professorin Emmanuelle Charpentier als Mikrobiologin und Miterfinderin der Gen-Schere CRISPR-Cas9 und mittlerweile Nobelpreisträgerin, der Unternehmer Hans Peter Stihl, der Technologie-Pionier Sebastian Thrun, die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, die damalige BASF-CTO Dr. Melanie Maas-Brunner, Airbus-CTO Dr. Sabine Klauke und im vergangenen Jahr Dr. Thorsten Sieß, CTO bei Abiomed und Entwickler der kleinsten Herzpumpe der Welt.
Partner des Ingenieurpreises:
VDI Mit rund 130.000 Mitgliedern ist der Verein Deutscher Ingenieure VDI der größte technisch-wissenschaftliche Verein Deutschlands. Seit 1856 gibt er wichtige Impulse für neue Technologien und technische Lösungen, für mehr Lebensqualität, eine bessere Umwelt und mehr Wohlstand. Der VDI ist Stifter einer Skulptur nach einem Entwurf der Künstlerin Mariana Castillo Deball, die der Preisträger erhält.