JEC World 2020: Laser-Vielfalt für Verbundwerkstoffe
© Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University, Aachen. Flexibler und automatisierter UKP-Laserabtrag für CFK-Preforms.
Sie entwickeln und erforschen Material-Kombinationen der besonderen Art – etwa für den Leichtbau der Zukunft: Die Experten für Verbundwerkstoffe treffen sich vom 3. bis zum 5. März 2020 auf der JEC World in Paris. Die weltweit führende Fachmesse der Kompositwerkstoffindustrie bietet einen umfassenden Überblick über die komplette Wertschöpfungskette bei der Herstellung und Bearbeitung der maßgeschneiderten Materialien. Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT aus Aachen präsentiert dazu laserbasierte Verfahren für Leichtbauwerkstoffe sowie Hybridverbindungen.
Das Fraunhofer ILT stellt auf der JEC World unter anderem Forschungsergebnisse zum Alterungsverhalten thermisch gefügter Kunststoff-Metall-Hybridverbindungen vor. In dieser Multi-Materialbauweise kommen verschiedene, an lokale Belastungen angepasste Werkstoffe zum Einsatz, die neue Wege bei der Gewichtsoptimierung ermöglichen. »Wegen der physikalischen und chemischen Ungleichheit der Materialien ist diese Bauweise eine besondere Herausforderung für die Verbindungstechnik, vor allem beim Einsatz von Kunststoffen und Metallen«, erklärt Kira van der Straeten, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gruppe Mikrofügen am Fraunhofer ILT. »Hinzu kommt, dass unterschiedliche Materialeigenschaften – wie z. B. thermische Ausdehnung und korrosive Unterwanderung – Hybridverbindungen stark beanspruchen.« Das Alterungsverhalten der Verbindung ist deshalb für die Langzeitstabilität von Hybridbauteilen von besonderer Bedeutung.
Konkurrenzfähiges Fügeverfahren für Kunststoff-Metall-Hybridverbindungen
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Schweiß- und Fügetechnik (ISF)
der RWTH Aachen University wurden im Projekt AGeD verschiedene
Oberflächen-vorbehandlungen, Fügeverfahren und Materialkombinationen
untersucht und die Gebrauchseigenschaften der Hybridverbindungen
getestet. Um Aussagen über die Langzeitstabilität der Verbindungen zu
bekommen, wurden Hybridverbindungen aus verschiedenen Metallen und
Kunststoff-Kombinationen Klimawechseltests und Korrosionstests
unterzogen.
Die Ergebnisse der Zugscherprüfung vor und nach Klimawechseltests von
laserstrukturierten und lasergefügten Hybridverbindungen zeigten keine
signifikante Abnahme der Verbundfestigkeit. Ebenso ergab sich bei
Korrosionstests kein nachweisbarer negativer Einfluss auf die
Zugscherfestigkeit. Kira van der Straeten zu den Ergebnissen des im
Auftrag des BMWi durchgeführten Projekts: »Die Resultate beweisen
eindeutig, dass das Verfahren im Vergleich mit anderen Fügetechniken
konkurrenzfähig ist und sich optimal für sehr viele
Kunststoff-Metall-Hybridverbindungen eignet.« Aufgrund der guten
Langzeitstabilität unter verschiedensten Umwelteinflüssen kommt es
besonders für Anwendungen im Automobilbau oder in der Luft- und
Raumfahrtbranche infrage.
Mikrostrukturen für Magnesiumbleche
Zusammen mit dem Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) in
Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen University wurde ein Verfahren
speziell für das Fügen von Kunststoffen mit Magnesiumblechen
entwickelt. Auf der JEC zeigen die Aachener, wie sich mittels Spritzguss
und Lasermikrostrukturierung extrem leichte Bauteile herstellen lassen.
Magnesiumbleche werden dabei mittels Faserlaserstrahlung unter
Argonatmosphäre mikrostrukturiert und in ein Spritzgießwerkzeug
eingelegt. Der Kunststoff wird anschließend durch Hinterspritzen mit dem
Magnesiumblech verbunden, wobei der Kunststoff durch Füllung der
Mikrostrukturen mit dem Blech eine adhäsive Verbindung eingeht. Durch
diesen Formschluss lassen sich auch chemisch unterschiedliche Werkstoffe
leicht miteinander verbinden.
Die Versuche ergaben, dass sich mit dem Verfahren durch eine
Anpassung der Strukturgeometrie und -anordnung Zugscherfestigkeiten von
über 28 MPa erreichen lassen. Diese Werte sind deutlich höher als die
sonst bei haftvermittlerbasierten Fügeverfahren üblichen Festigkeiten
für Strukturverklebungen, die in der Regel ca. 10 MPa betragen.
Robotergeführter Laserstrahl bohrt CFK-Preforms
In Paris stellen die Aachener außerdem vor, wie mit einem
robotergeführten Ultrakurzpulslaser (UKP-Laser) 3D-geformte
CFK-Halbzeuge (Preforms) prozesssicher und effizient gebohrt werden
können. Im Rahmen des öffentlich geförderten Projektes CarboLase
realisierten fünf Projektpartner aus Forschung und Industrie eine
Roboterzelle mit automatisierter Prozesskette zur Herstellung der
laserbearbeiteten Preforms am Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH
Aachen University.
Der UKP-Laserstrahl wird dabei von der Strahlquelle über eine
Hohlkernfaser zu einem auf dem Knickarmroboter montierten Galvo-Scanner
geführt. Die spiegellose Strahlführung kann dank des stabilisierten
Laserstrahls den sehr dynamischen Bewegungen des Scanners über die
CFK-Preform problemlos folgen. Der robotergeführte UKP-Laser bohrt wegen
des defektfreien und präzisen Laserabtrags passgenaue Bohrungen, z. B.
für Inserts. Außerdem entsteht wegen der abschließenden Matrixinfusion
auch ohne Klebstoff eine zuverlässige und prozesssichere
Multimaterialverbindung. Die direkt mit dem Matrixwerkstoff verbundenen
Inserts erzielten bei Versuchen im CarboLase-Projekt eine um bis zu 50
Prozent höhere maximale Auszugkraft gegenüber konventionell gefertigten
Bauteilen mit eingeklebten Inserts.
»Das dynamische UKP-Laserbohrverfahren ist insbesondere für
Leichtbauteile für die Luftfahrt und den Automobilbau interessant«, sagt
Stefan Janssen, Wissenschaftler in der Gruppe Mikro- und
Nanostrukturierung am Fraunhofer ILT. »Das sehr gut automatisierbare
Verfahren kann wegen der größeren Festigkeit der Verbindungselemente den
Aufwand für Material und Kosten bei der Herstellung von CFK-Bauteile
senken.«
Das Fraunhofer ILT auf der JEC World 2020
Details zu Laserverfahren für die Bearbeitung von Composites erfahren
Interessenten auf dem AZL-Gemeinschaftsstand (Halle 5A, Stand L97) auf
der JEC World 2020 in Paris vom 3. bis 5. März 2020.
Das IGF-Projekt »AGeD – Untersuchung verschiedener Vorbehandlungs-
und Fügemethoden im Hinblick auf das Alterungsverhalten und die
Gebrauchseigenschaften beim Thermischen Direktfügen von Metallen und
Kunststoffen« mit Laufzeit von 2,5 Jahren wird durch das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.
Das Projekt »CarboLase – Hochproduktive, automatisierte und
maßgeschneiderte Just-in-Time FVK-Bauteilfertigung« wurde aus Mitteln
des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.