Bauteile am Limit
Experimenteller Aufbau zur Versuchsdurchführung für sehr hohe Beschleunigungen. © Fraunhofer LBF
Forschende am Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF bringen Bauteile mittels Resonanzüberhöhungstests an ihre Grenzen. Mit einem neuartigen Versuchsaufbau können sie Komponenten mit sehr viel höheren Beschleunigungen harmonisch monofrequent anregen als bisher. Möglich wird das, da der Prüfaufbau in Resonanz betrieben und zuvor numerisch simuliert wird. Die Anregungsfrequenz legt das Fraunhofer-Team dabei durch gezieltes Prüfaufbaudesign in Verbindung mit dem Prüfbauteil je nach Kundenwunsch fest. So ist es möglich, mit vergleichsweise wenig Energie kleine Bauteile mit bis zu 1000g sinusförmig mit einer hohen Schwingspielzahl zu belasten. Das spart Zeit und Kosten.
Bauteile müssen extremen Belastungen standhalten. Insbesondere bei Elektronikbauteilen, die in der Nähe von schnelldrehenden Elektromotoren verbaut sind, können hohe Beschleunigungen auftreten. Am Fraunhofer LBF können Prüflinge mittels Resonanzüberhöhungstests mit mehr als zehnmal höheren Beschleunigungen getestet werden als bei einem herkömmlichen Shakeraufbau. Möglich macht dies die breite Aufstellung des Fraunhofer LBF in den Bereichen Umweltsimulation, Betriebsfestigkeit, numerische Simulation und individueller komplexer Bauteilfertigung. In ihrer Testanordnung erweitern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Darmstädter Institut einen Shaker durch einen Resonanzaufbau, was es ermöglicht, die Anlage und den Prüfling bei einer gewünschten Frequenz in Resonanz zu betreiben. Außerdem werden die auf den Prüfapparat wirkenden Kräfte durch Leichtbau der bewegten Massen niedrig gehalten. So erreichen die Forschenden mit vergleichsweise wenig Aufwand Beschleunigungen von bis zu 1000g bei einer harmonischen Anregung.
Exakte Auslegung durch numerische Simulation
Zur optimalen Auslegung des Gesamtaufbaus führt das LBF-Team vorab
eine numerische Simulation durch. So können verschiedene Parameter des
Aufbaus genau abgeschätzt werden, die für die Resonanzfrequenz
entscheidend sind. Das Besondere daran betont Thomas Pfeiffer, der den
Testaufbau am Fraunhofer LBF betreut: »Wir können hier als Anbieter von
Umweltsimulationen in der Abteilung auf eine Gruppe zurückgreifen, die
sich mit numerischen Analysen beschäftigt. Je nach Bedarf können wir das
numerische Modell zusätzlich mithilfe des individuellen Aufbaus
experimentell validieren.« Durch die Simulation lässt sich dann vorab
die Belastung der einzelnen Prüfaufbaukomponenten abschätzen. So wird
sichergestellt, dass sich die gewünschte Prüfdauer erreichen lässt. In
einem Validierungsexperiment können die Forschenden die Simulation
weiter verbessern und die maximal mögliche Überhöhung der Beschleunigung
gegenüber der maximalen Beschleunigung des Shakers abschätzen.
Anregung in Resonanz
Die langjährige Erfahrung im Bereich dynamischer Lastaufprägung
ermöglicht es dem Fraunhofer LBF, bewegte Teile präzise und
bedarfsgerecht für die jeweiligen Belastungen auszulegen. Mithilfe der
eigenen Lasersinteranlage kann das Institut komplexe Teile des
Resonanzaufbaus als monolithischen Block konstruieren. Das spart Gewicht
und reduziert somit die Belastung des Shakers. Ebenso erhöht sich die
Belastbarkeit des Prüfaufbaus in Resonanz. »Für die harmonische Anregung
des Prüflings können wir je nach Kundenwunsch eine feste Frequenz bei
geforderter Beschleunigung einhalten oder eine maximale
Beschleunigungsamplitude mit Frequenznachführung in vorgegebenen Grenzen
aufprägen«, erklärt Pfeiffer.
Prüfaufbau in Leichtbauweise
Je nach Anwendung und Einsatz des zu prüfenden Bauteils kann eine auf
bis zu ein Hertz genaue Anregung über eine hohe Schwingspielzahl
erforderlich sein. Durch numerische Vorauslegung, Leichtbauweise und
Resonanzaufbau können diese Voraussetzungen am Prüfstand umgesetzt
werden. Dabei wird die Beschleunigungsamplitude nach Vorgabe auf das
Testobjekt geregelt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, bei
geringfügig variabler Frequenz, eine maximale Beschleunigung in Resonanz
anzuregen, indem die Frequenz nachgeführt wird. Der Fokus des Tests
liegt hierbei auf der hohen Beschleunigungsamplitude, mit welcher das
Bauteil belastet werden soll. In der Praxis erprobt hat die neuen
Testmöglichkeiten bereits die Firma C. & E. Fein GmbH. „Durch das
Zusammenspiel verschiedener Fachdisziplinen am Fraunhofer LBF ist es
möglich, Testspezifikationen nach unseren Wünschen zu gestalten,
vorhandene Prüfmaschinen auszureizen und außerhalb von
Normspezifikationen zu testen. Durch die enge lösungsorientierte
Zusammenarbeit können Zielsetzungen situativ angepasst und umgesetzt
werden“, sagt Dr. Mark Heilig, zuständig für Technische Analyse/Systems
analysis bei der C.& E. Fein GmbH.