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Technik trifft Teamgeist – Auf der Rennstrecke am Lasise

Vom 19. bis 22. Juni 2025 verwandelte sich das Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung Selm erneut in eine große Werkstatt und Rennstrecke. Beim 5. VDI-Racing-Camp powered by norelem trafen sich rund 275 Technikbegeisterte, neben ihren selbst entwickelten Fahrzeugen haben sie eine große Portion Leidenschaft im Gepäck. Das Ziel: Schrauben, Testen, Wissen austauschen und sich außerhalb der strengen Wertung der Formula Student den kritischen Blicken der Juroren stellen.

Von der Idee auf die Rennstrecke
Die 18 Teams reisten aus ganz Deutschland an, zum ersten Mal fast ausschließlich mit Wagen mit Elektroantrieb, nur Dortmund ging noch mit einem klassischen Verbrennern an den Start. Sie bauen an ihren einsitzigen Formel-Rennwagen im Rahmen des internationalen Konstruktionswettbewerbs Formula Student. Der Wettbewerb startete in den 1980er Jahren in den USA mit der Formula SAE und findet seit 2006 als Formula Student auch in Deutschland statt. Auf Initiative des VDI, der bis heute ideeller Träger des Events ist, wird der Wettbewerb seitdem jährlich im Sommer am Hockenheimring von dem Formula Student Germany e. V. (FSG) ausgerichtet. Begleitend bietet der VDI bereits zum fünften Mal ein Vorbereitungsevent auf die anstehende Formula-Student-Saison an: das VDI-Racing-Camp powered by norelem.

Vier Tage lang wurde im Selm geschraubt, getestet, optimiert und das in allen Phasen der aufwändigen Konstruktion. So waren einige Teams ohne Fahrzeug vor Ort, um vom Austausch zu profitieren und sich Ideen mitzunehmen, andere schafften es leider nicht bis auf die Strecke, weil noch wichtige Teile fehlten. Die Juroren und Alumni hatten schon fast alle Probleme gehört, die beim VDI Bullshit Bingo nicht fehlen dürfen. Und das ist in Ordnung, denn gerade hier beim Vorbereitungsevent zur Formula Student am Lasise geht es um weit mehr als nur um Geschwindigkeit. Wie bei der echten Formula Student Germany durchlaufen die Teams beim Racing Camp alle zentralen Disziplinen: Von der technischen Abnahme (Scrutineering) über die statischen bis hin zu den dynamischen Prüfungen.

Wertvolle Kritik für die echte Wertung
Besonders herausfordernd ist das Scrutineering, also die umfassende technische Kontrolle der Fahrzeuge auf Einhaltung des aktuellen Reglements. Nur wer hier besteht, darf in den Fahrdisziplinen antreten, wenn klar ist, dass alle Fahrzeuge die erforderlichen Sicherheitsstandards erfüllen und keine unzulässigen Bauteile verbaut wurden. Innerhalb dieser klaren Vorgaben nutzen die Teams ihren gestalterischen Spielraum. Wie effizient sie das tun, zeigt sich nicht nur auf der Strecke, etwa beim Skid Pad (Fahren in der Acht), beim Acceleration-Test (Sprint) oder beim Autocross (Fahrverhalten), sondern auch in den statischen Disziplinen. So müssen die Studierenden etwa beim Engineering Design Report vor einer Jury aus Fachleuten ihr Fahrzeugkonzept präsentieren und technische Entscheidungen begründen. „Wir waren mit unserem Businessplan noch nicht ganz fertig und in einigen Punkten sehr unsicher. Hier war die sehr ausführliche und sehr nette Kritik der Juroren wirklich hilfreich. Wir haben richtig viel mitgenommen.“ so eine Teilnehmerin, die das erste Mal dabei war.

Eine gute Konstruktion, Innovationsgrad, technische Dokumentation und Sicherheit sind wichtig, aber das geht eben nicht ohne eine gute Teamorganisation und einen starken Zusammenhalt. Denn hier sammeln die Teilnehmenden praktische Erfahrung in der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Diesen Teamspirit spürte man beim VDI-Racing Camp an jeder Ecke. Das Event war geprägt von intensiver Zusammenarbeit, geteiltem Know-how und spontaner Unterstützung, ob beim Feinschliff am Fahrwerk oder auch bei der Suche nach dem Loch in der Luftmatratze.

Immer mehr Frauen am Steuer
Auffällig in diesem Jahr: Der Frauenanteil steigt stetig weiter. Immer mehr Studentinnen prägen die technische Projektarbeit, übernehmen Teamverantwortung oder sitzen selbst am Steuer. Damit spiegelt das Camp einen Wandel wider, der längst in den Hochschulen angekommen ist.

Auch abseits der Rennstrecke beim Grillen und Campen bot das Racing-Camp Raum für intensiven Austausch. Viele Teilnehmende waren schon in der Vergangenheit dabei und betonen die sehr entspannte und gute Atmosphäre, die gerade als Einstieg in die Rennsaison für die Teams hilfreich ist. Die hohe Zahl der Wiederkehrer zeigt sich auch in der steigenden Zahl der Alumnis, die nach ihrer ehemaligen Teilnahme am Racing Camps wieder vor Ort waren, als Mentoren, Juroren oder einfach als Fans. Viele von ihnen haben hier ihren Karriereweg begonnen.

Ein Erlebnis, das bleibt
Für viele der Teilnehmenden ist das Racing Camp mehr als ein Wettbewerb: Es ist ein Ort, an dem Ideen lebendig werden, der Teamgeist wächst und Erfahrungen gesammelt werden. Die Mischung aus praktischer Herausforderung, fachlichem Austausch und emotionalem Erlebnis macht das Event so besonders. Wer hier mitmacht, nimmt nicht nur neue Perspektiven mit sondern oft auch Freundschaften fürs Leben.

Jetzt schon vormerken! Planung für 2026 läuft
Nach dem Rennen ist vor dem Rennen: Die Vorbereitungen für das VDI-Racing-Camp 2026 powered bei norelem laufen bereits. Dieses soll wieder im Juni auf der Anlage des Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung Selm (LaSiSe) stattfinden. Also jetzt schon vormerken!

Autorin: Gudrun Huneke

Ansprechpartner im VDI:
Dipl.-Ing. Christof Kerkhoff
VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik
E-Mail-Adresse: kerkhoff@vdi.de

Quelle: VDI e.V.