Und Europa bewegt sich doch
Mit dem Europäischen Verteidigungsfonds unterstützt die Europäische Union seit 2021 europaweite Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich. Doch dies ist nur der Anfang.
Frieden und Freiheit in Europa sind gefährdet – das sollte nach dem völkerrechtswidrigen Überfall der Russischen Föderation auf die ukrainische Krimhalbinsel im Jahr 2014 auch dem letzten rational zu überzeugenden Zweifler bewusst geworden sein. Die Europäische Union reagierte mit ersten Ansätzen hin zu gemeinsamen europäischen Anstrengungen im Verteidigungsbereich. Namentlich waren dies die Preparatory Action on Defence Research (PADR) sowie das European Defence Industrial Programme (EDIDP). Diese beiden direkten Vorgänger des Europäischen Verteidigungsfonds umfassten zusammen eine Gesamtsumme von 590 Millionen Euro und wurden über die Jahre 2017 bis 2020 abgewickelt. Auf Basis der Erfahrungen aus diesen beiden Programmen wurde der Europäische Verteidigungsfonds (EVF) für die Laufzeit von 2021 bis 2027 mit insgesamt 8 Milliarden Euro ausgestattet. Aktuell laufen die Verhandlungen für das Nachfolgeprogramm, welches angesichts der vielfältigen Herausforderungen mit Spannung erwartet wird.
Im Europäischen Verteidigungsfonds werden Verbundprojekte von in der Regel drei Partnern aus mindestens drei Ländern der Europäischen Union und Norwegen gefördert. Bewerben können sich Unternehmen, Forschungsinstitute und Hochschulen. Insbesondere Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) sollen profitieren – so ist eines der erklärten Ziele des Fonds eine bessere Integration von KMU in die Europäische Verteidigungslandschaft. Und die Zahlen zeigen, dass dies gelingt: Knapp 20 Prozent des Gesamtbudgets sind bisher in KMU geflossen. Zur besonderen Förderung von KMU im Sinne der europäischen Definition dienen einige andere Instrumente, die unter dem Überbegriff European Defence Innovation Scheme (EUDIS) zu fassen sind. Darunter fallen Hackathons, Business Coachings, die Defence Equity Facility und Matchmaking-Veranstaltungen. Was genau im Rahmen des Verteidigungsfonds gefördert wird, lässt sich dem aktuellen Arbeitsprogramm entnehmen. Die Ausschreibungen lassen sich dabei in zwei Kategorien aufteilen: Research Actions (RA) und Development Actions (DA). Während die Forschungsprojekte (RA) vor allem auf Studien und Designaktivitäten abzielen, sind es im Fall der Entwicklungsprojekte (DA) meistens Prototypen, die am Ende der Projektlaufzeit von in der Regel 36 Monaten vorgelegt werden sollen. Im nächsten Schritt gibt es dann die Möglichkeit einer Beschaffung, ein national gesteuerter Prozess, der nicht Bestandteil des EVF ist.
Auch in diesem Jahr hat die Europäische Kommission ein Arbeitsprogramm veröffentlicht. Seit dem Frühjahr findet europaweit die Konsortialbildung statt. Unter den zahlreichen Themen sind unter anderem die Erforschung Autonomer Triage und Evakuation im Kampfeinsatz, die Erhöhung der Robustheit und Resilienz autonomer Kampfsysteme, die Entwicklung einer Naval Combat Cloud für das digitale Schiff sowie die Berücksichtigung der Erfahrungen ukrainischer Partner bei der Umsetzung einer europäischen Lösung für Loitering Munition. Nun soll Europa also auch im Rahmen des Instruments des „Cascade Fundings“ für ukrainische Start-Ups von der hohen Innovationskraft und Resilienz der Ukraine profitieren. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit zur Einreichung nicht-thematischer Projektvorschläge, die sich entweder den Kategorien RA und DA zuordnen lassen oder aber im Rahmen des „Disruptive Calls“ eine entsprechend hohe Innovationskraft nachweisen müssen – ein Beispiel hierfür wären Quantentechnologien, gedacht im Sinne einer sprunghaften Innovation.
Die deutsche Beteiligung an Projekten im EVF ist flächendeckend gegeben. Jedoch ist aufgrund der steigenden Zahl der Projekteinreichungen (im Arbeitsprogramm 2024 gab es circa 300 Einreichungen – ein Anstieg von 25 Prozent zum Vorjahr) bei grob gleichbleibender Zahl an Projekten eine zunehmende Konkurrenz zu verzeichnen.
Doch wie sehen die Projekte im Rahmen des Europäischen
Verteidigungsfonds konkret aus?
Das Projekt NG-MIMA etwa widmet sich unter deutscher
Beteiligung der Entwicklung von Next Generation Modular Avionics, um im Rahmen
eines System-of-System-Ansatzes die Sammlung und den Austausch von Daten zu
verbessern und im Nachhinein auf die einzelnen Plattformen anpassen zu können.
Im Falle von OPTIMAS geht es um die Verbesserung von optischer Kommunikation bei der Verbindung unbemannter Flugobjekte mit Satelliten mit einer entsprechend hohen Datenleistung, ggf. auch mit Blick auf mögliche Verbesserungen durch quantenbasierte Ansätze.
Neu ausgewählt in diesem Jahr wurde GARUDA, welches die Grundarchitektur für Unmanned Collaborative Combat Aircraft Systems entwickeln soll.
Dies ist nur ein kleiner Eindruck von der gesamten Bandbreite innovativer Projekte, die zeitgleich in ganz Europa umgesetzt werden. All dies vor dem Hintergrund der dringenden Notwendigkeit, schneller, besser und innovativer zu werden.
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Informationen interessiert?
Für deutsche Interessenten für den Europäischen
Verteidigungsfonds sind wir, die Nationale Kontaktstelle für den Europäischen
Verteidigungsfonds, der erste Ansprechpartner. Seit Ende 2023 sind wir vom
Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) als VDI Technologiezentrum
beauftragt, um neutral, umfassend, kostenfrei und unverbindlich zu
unterstützen.
Ansprechpartner:
Dr. Lino Schneider-Bertenburg
VDI Technologiezentrum GmbH
Nationale Kontaktstelle für den Europäischen Verteidigungsfonds
Unterstützung
- Beratung zur Antragstellung
- Fachlich, finanziell und administrativ
Networking
- Europaweites Netzwerk
- Regelmäßige Veranstaltungen
Ziel
- Starke deutsche Position in Europa
- Fähigkeitsbedarfe BMVg fokussieren
https://www.bundeswehr.de/nksevf
Abbildung 1: Von Ground Combat über Cyber und Space: Der EVF hat vielfältige Förderschwerpunkte über alle militärischen Domänen hinweg.
Abbildung 2: Der EVF fördert Projekte in der Forschung und Entwicklung.