Test und Evaluation im Elektromagnetischen Kampf
Test und Evaluierung sind unverzichtbare Bestandteile bei der Entwicklung moderner Systeme für den Elektromagnetischen Kampf. Sie sichern die Einsatzfähigkeit und Resilienz unter realen Bedingungen – heute und mit Blick auf zukünftige Bedrohungsszenarien.
Schlüsseltechnologie mit strategischer Relevanz
Der Elektromagnetische Kampf (EK) ist eine
Schlüsseltechnologie moderner Verteidigungssysteme. Insbesondere im Kontext des
zunehmenden Bedarfs an Schutz gegen gegnerische Luftverteidigungssysteme kommt
ihm eine strategische Bedeutung zu. Deutschland übernimmt als NATO-Mitglied
eine zentrale Rolle im Bereich der elektronischen Aufklärung (Electronic Combat
and Reconnaissance, ECR) sowie in der Störung und Täuschung elektromagnetischer
Systeme. Diese Einsätze sind komplex und bergen erhebliche Risiken –
insbesondere für bemannte Plattformen.
Auch wenn zukünftige Konzepte, etwa im Rahmen des Future Combat Air Systems (FCAS), auf unbemannte und KI-gestützte Systeme setzen, bleibt die Integrität und Leistungsfähigkeit dieser Technologien entscheidend. Weder Plattform noch Sensorik dürfen im Ernstfall in gegnerische Hände fallen. Vor diesem Hintergrund sind robuste Test- und Evaluierungsverfahren unerlässlich.
Validierte Sicherheit durch Test und Evaluation
Test und Evaluation (T&E) stellen sicher, dass Systeme
unter realistischen Einsatzbedingungen funktionieren – zuverlässig, robust und
präzise. Im Bereich EK umfasst dies sowohl die Validierung von
Hardwarekomponenten als auch die Evaluierung intelligenter Software,
beispielsweise Algorithmen zur Radarerkennung oder Zielverfolgung.
Durch den Einsatz simulierter Bedrohungsszenarien können potenzielle Schwächen frühzeitig erkannt und behoben werden. Besonders die Fähigkeit zur schnellen Anpassung an neue Technologien und Taktiken – etwa durch kognitive oder adaptive Radarbedrohungen – muss regelmäßig unter Beweis gestellt werden. In NRW entwickelt und testet die Elettronica GmbH hierzu Verfahren, die sowohl Hardware-in-the-Loop (HIL)-Tests als auch Open-Air-Range (OAR)-Validierungen umfassen.
Herausforderungen durch kognitive Systeme
Die Entwicklung kognitiver Radarsysteme, die auf künstlicher
Intelligenz und maschinellem Lernen basieren, stellt eine neue Qualität der
Bedrohung dar. Diese Systeme passen ihr Verhalten in Echtzeit an und können
klassische ECM-Techniken erkennen und aushebeln.
Effektive Gegenmaßnahmen erfordern daher adaptive ECM-Systeme, die Schwächen in gegnerischen Lernalgorithmen ausnutzen oder selbst KI-gestützt operieren. Die Evaluierung solcher Systeme ist anspruchsvoll und muss in Umgebungen erfolgen, die sowohl Komplexität als auch Dynamik realistisch abbilden. Hier kommen synthetische Testumgebungen und HIL-Verfahren zum Einsatz, wie sie unter anderem in NRW etabliert und weiterentwickelt werden.
Testmethoden für den EK der Zukunft
Synthetische Umgebungen ermöglichen die Nachbildung
realistischer Einsatzszenarien, ohne den hohen logistischen Aufwand realer
Manöver. In NRW werden hierzu leistungsfähige Simulationslösungen eingesetzt,
mit denen sich Bedrohungslagen aus mehreren Domänen (Luft, See, Cyber)
integrieren lassen.
Hardware-in-the-Loop-Tests stellen die Verbindung zwischen realer Hardware – etwa ECM-Systemen und Radarplattformen – und Simulationssoftware her. So lassen sich dynamische Interaktionen in Echtzeit analysieren. Besonders bei der Erprobung agiler Radarwellenformen oder komplexer Störstrategien bieten HIL-Tests einen essenziellen Mehrwert.
Ein ergänzender Schritt sind Open-Air-Range-Tests, bei denen die Systeme in einer echten Umgebung evaluiert werden. Solche Tests – beispielsweise auf Testgeländen mit kontrollierten elektromagnetischen Bedingungen – ermöglichen die Bewertung von Interoperabilität, Signalstabilität und Echtzeitreaktion in unvorhersehbaren Situationen.
Standortvorteil NRW
Nordrhein-Westfalen bietet mit seiner dichten Forschungs-
und Industrielandschaft ideale Voraussetzungen für die Entwicklung, Erprobung
und Validierung solcher Schlüsseltechnologien. Unternehmen und
Forschungseinrichtungen arbeiten eng zusammen, um robuste, zukunftsfähige
Lösungen zu entwickeln – auch im Hinblick auf internationale Märkte.
Neben der reinen Technologieentwicklung entstehen durch die T&E-Aktivitäten in NRW wichtige Impulse für Wertschöpfung und Beschäftigung. Besonders vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Transformationen und der Erschließung neuer Kompensationsmärkte kommt dem Land eine zentrale Rolle im europäischen Verteidigungsökosystem zu.
Fazit
Test und Evaluierung sind mehr als technische Prüfprozesse –
sie sind Voraussetzung für einsatzfähige, vertrauenswürdige und zukunftssichere
Systeme im Bereich des Elektromagnetischen Kampfes. In einer zunehmend
digitalisierten und vernetzten Welt entscheidet die Fähigkeit zur schnellen und
präzisen Reaktion über den Erfolg militärischer Operationen.
Nordrhein-Westfalen leistet mit seiner Technologiebasis einen wichtigen Beitrag
zur Verteidigungsfähigkeit im internationalen Kontext.
Ansprechpartner:
Dr. Marcello Mariucci
Elettronica GmbH
Elettronica GmbH
Technologische Basis
- Elektromagnetischer Kampf (EK)
- Hardware-in-the-Loop & synthetische Testumgebungen
- Kognitive Radartechnologien
- Künstliche Intelligenz / Maschinelles Lernen in ECM
Primäre Anwendungsfelder / Zielgruppen
- NATO-Luftoperationen
- Unbemannte Systeme im Future Combat Air System (FCAS)
- Nationale und internationale Rüstungsprojekte
- Wehrtechnische Forschung und Entwicklung
Kooperationen / Projekte / Netzwerke
- Zusammenarbeit mit Verteidigungsindustrie und Forschungspartnern
- Beteiligung an nationalen T&E-Initiativen
Erfolgsgeschichten / Ausblick
- Entwicklung robuster Testmethoden für KI-basierte Radarsysteme
- NRW als Standort für verteidigungsnahe Hochtechnologie
Abbildung 1: Beispiel eines OAR (Open Air Range) Testsystems im Rahmen einer NATO-Übung
Abbildung 2: Simulation für den HIL-Test eins Sensors auf einer fliegenden Plattform