Chemische Reaktionen per Licht antreiben
Wie lassen sich – nach dem Vorbild der Photosynthese in der Natur – mit Licht chemische Reaktionen anstoßen? Dies ist bislang noch weitgehend unverstanden. Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Rice University in Houston, USA, haben nun jedoch ein großes Puzzlestück zum Verständnis beigetragen. Ihre Ergebnisse publizierten sie in Science Advances.
Bäume, Sträucher und andere Pflanzen nutzen das Sonnenlicht äußerst effektiv: Über die Photosynthese wandeln sie mit dem Licht Wasser und Kohlenstoffdioxid zu Sauerstoff und Glukose, also Zucker, um. Wie lassen sich die physikalischen Prozesse, die dahinterliegen, verstehen und zum allgemeinen Vorteil einsetzen? Der Nutzen wäre sehr relevant für die Gesellschaft. So könnte man beispielsweise mit der Energie des Sonnenlichts aus Wasser gasförmigen Wasserstoff herstellen – und diesen als Kraftstoff für Autos verwenden. Überträgt man die lichtgetriebenen Prozesse der Photosynthese auf chemische Reaktionen, spricht man von Photokatalyse.
Plasmonen: Elektronen schwingen im Gleichtakt
Um Licht einzufangen und für chemische Prozesse
nutzbar zu machen, werden oft metallische Nanopartikel benutzt.
Bestrahlt man die Oberfläche eines Festkörpers mit Licht – wie das bei
der Photokatalyse der Fall ist – kann das die freien Elektronen im
Material zu kollektiven Schwingungen anregen, den Plasmonen. "Plasmonen
sind eine Art Antenne für sichtbares Licht", erklärt Prof. Dr. Carsten
Sönnichsen von der JGU. Die physikalischen Prozesse, die hinter der
Photokatalyse mit solchen Nano-Antennen stehen, sind bisher jedoch noch
nicht vollständig verstanden. Forscher der Johannes
Gutenberg-Universität haben in Kooperation mit der Rice University nun
etwas Licht ins Dunkel gebracht. Doktorand Benjamin Förster untersuchte
gemeinsam mit seinem Doktorvater Carsten Sönnichsen diesen Prozess
genauer.
Änderung der Plasmonenresonanz
Förster widmete sich vor allem der Frage, wie und in
welcher Intensität die Plasmonen das eingestrahlte Licht wieder
zurückstrahlen. Dazu verwendete er ganz besondere Moleküle: Thiole, in
denen die Kohlenstoff-Atome in einer Käfigstruktur angeordnet sind. In
dieser Käfigstruktur sitzen auch zwei Bor-Atome. Die Forscher änderten
die Positionen dieser Bor-Atome im "Käfig" und damit auch das
Dipolmoment, also die räumliche Ladungstrennung in dem Käfigmolekül.
Dabei fanden sie Interessantes heraus: Setzten sie die beiden Käfige auf
die Oberfläche von metallenen Nanopartikeln und regten sie per Licht
Plasmonen an, so warfen die Plasmonen unterschiedlich viel Licht zurück –
je nachdem, welcher "Käfig" gerade auf der Oberfläche positioniert war.
Kurzum: Die chemische Natur der Moleküle, die an der Oberfläche von
Gold-Nanopartikeln sitzen, beeinflusst die lokale Resonanz der
Plasmonen. Denn die Moleküle ändern auch die elektronische Struktur des
Gold-Nanopartikels.
Teamarbeit führte zum Ziel
Die Zusammenarbeit war bei diesem Projekt extrem
wichtig. "Alleine hätte man solche Ergebnisse kaum erzielen können", ist
sich Sönnichsen sicher. Finanziert von der Exzellenz-Graduiertenschule
"Materials Science in Mainz" (MAINZ) forschte sein Doktorand Förster ein
Jahr lang an der Rice University in Houston bei Prof. Dr. Stephan Link,
der seit 2014 Visiting Professor an der Graduiertenschule ist. Zwar
endet die Förderung der Graduiertenschule MAINZ im Rahmen der
Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder im Oktober 2019. Unter dem
Dach des Max Planck Graduate Center (MPGC) ermöglicht die JGU ihren
Promovierenden in Einzelfällen jedoch weiterhin gemeinsam mit dem Land
Rheinland-Pfalz die Finanzierung von solch längerfristigen
Auslandsaufenthalten.