Photokathoden aus Kupferoxid: Laserexperiment zeigt Ursachen für hohe Verluste
Ein erster Laserpuls (grün) regt die Elektronen im Cu2O an; Bruchteile von Sekunden später folgt ein zweiter Laserpuls (UV-Licht), um die Energie des angeregten Elektrons zu messen. Copyright: M. Künsting/HZB
Kupferoxid könnte in Solarzellen oder als Photokathode für die solare Energieumwandlung theoretisch hohe Wirkungsgrade ermöglichen. Praktisch aber kommt es zu großen Verlusten. Nun konnte ein Team am HZB mit einem raffinierten Femtosekunden-Laserexperiment aufklären, wo diese Verluste stattfinden: Sie treten weniger an den Grenzflächen auf, sondern vielmehr bereits im Innern des kristallinen Materials. Diese Ergebnisse geben Hinweise, um Kupferoxid und andere Metalloxide für Anwendungen als Energiematerialien zu optimieren. Kupferoxid (Cu2O) ist ein aussichtsreicher Kandidat für die zukünftige solare Energieumwandlung: Als Photokathode könnte der Halbleiter Kupferoxid mit Sonnenlicht Wasser elektrolytisch aufspalten und so den Brennstoff Wasserstoff erzeugen, der die Energie des Sonnenlichts chemisch speichert.
Theoretisch super, praktisch nicht.
Einkristallines
Kupferoxid besitzt eine Bandlücke von 2 Elektronenvolt, die sehr gut
zum solaren Energiespektrum passt. Perfekte Kupferoxid-Kristalle sollten
unter Lichtbestrahlung theoretisch eine Spannung nahe 1,5 Volt
bereitstellen. Damit wäre das Material sehr gut geeignet als
Top-Absorber in einer Stapelzelle für die solare Wasserspaltung und
sollte einen Wirkungsgrad (Sonnenenergie zu chemischer Energie in
Wasserstoff) von bis zu 18 Prozent ermöglichen. Doch die realen Werte
für die Photospannung liegen deutlich darunter und reichen nicht aus, um
Kupferoxid effizient als Photokathode in einer Stapelzelle für die
solare Wasserspaltung zu verwenden. Bisher wurden vor allem
Verlustprozesse nahe der Oberfläche bzw. an Grenzschichten dafür
verantwortlich gemacht.
Wo treten Verluste auf?
Nun hat ein Team am HZB-Institut für Solare Brennstoffe diese Prozesse unter die Lupe genommen. Sie erhielten hochwertige Cu2O
-Einkristalle von Partnern der US-Forschungseinrichtung California
Institute of Technology (Caltech) und bedampften sie zusätzlich mit
einer hauchdünnen, transparenten Schicht aus Platin. Diese Platinschicht
fungiert als Katalysator und steigert die Effizienz der
Wasseraufspaltung. Sie untersuchten diese Proben im
Femtosekunden-Laserlabor (1 fs = 10-15 s) am HZB, um
herauszufinden, welche Prozesse zum Verlust der Ladungsträger führen und
insbesondere auch, ob diese Verluste im Innern der Einkristalle
auftreten oder an der Grenzfläche zum Platin.
Experiment im Femtosekunden-Laserlabor
Dafür regte ein erster Laserpuls im sichtbaren grünen Bereich die Elektronen im Cu2O
an; nur Bruchteile von Sekunden später folgte ein zweiter Laserpuls
(UV-Licht), um die Energie des angeregten Elektrons zu messen. Mit
dieser zeitaufgelösten Zwei-Photonen-Photoemissions-Spektroskopie
(tr-2PPE) konnten sie den Hauptmechanismus von Photospannungsverlusten
identifizieren. „Wir beobachteten, dass die angeregten Elektronen sehr
schnell in Defektzuständen gebunden werden, die in der Bandlücke selbst
in großer Zahl existieren“, berichtet Erstautor Mario Borgwardt, der
inzwischen seine Arbeit als Humboldt-Stipendiat am Lawrence Berkeley
National Laboratory in den USA fortsetzt. Der Koordinator der Studie
Dennis Friedrich führt aus: „Dies geschieht auf einer Zeitskala von
unter einer Pikosekunde (1 ps = 10-12 s), also extrem
schnell, vor allem im Vergleich zu der Zeit, in der Ladungen aus dem
Inneren des kristallinen Materials an die Oberfläche diffundieren
können.“
Verluste vor allem im Innern des Kristalls
„Wir
haben am Femtosekunden-Laserlabor des HZB sehr leistungsstarke
experimentelle Methoden, um Energie und Dynamik von photoangeregten
Elektronen in Halbleitern zu analysieren. Für Kupferoxid konnten wir
zeigen, dass die Verluste kaum an den Grenzflächen zum Platin auftreten,
sondern im Kristall selbst“, sagt der Initiator der Studie und Leiter
der Femtosekunden-Spektroskopie am HZB, Rainer Eichberger.
Beitrag zum Exzellenzcluster UniSysCat
„Mit
diesen neuen Einblicken liefern wir einen ersten Beitrag zum
Exzellenzcluster UniSysCat der Technischen Universität Berlin, an dem
wir beteiligt sind“, betont Roel van de Krol, der das HZB-Institut für
Solare Brennstoffe leitet. In UniSysCat stehen katalytische Prozesse im
Fokus, die auf sehr unterschiedlichen Zeitskalen stattfinden: Während
Ladungsträger auf Anregungen durch Licht extrem schnell reagieren
(Femtosekunden bis Pikosekunden), benötigen chemische Prozesse wie die
Katalyse viele Größenordnungen mehr Zeit (Millisekunden). Für eine
erfolgreiche Photokatalyse müssen jedoch beide Prozesse gemeinsam
optimiert werden. Die vorliegenden Ergebnisse, die nun im renommierten
Fachjournal Nature Communications publiziert sind, sind ein wichtiger
Schritt auf diesem Weg.