Aluminium und Kupfer: Eine besondere Verbindung zur Effizienzsteigerung von elektrischen Antrieben
© Fraunhofer IFAM Gegossene Aluminiumspulen für luftgekühlten Radnabenmotor
Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM hat ein gießtechnisches Verfahren entwickelt, mit dem leistungsstarke Spulen für Elektromotoren gefertigt werden können. Eine Kombination aus hohem Nutfüllfaktor, exzellentem thermischen Verhalten und geringen Stromverdrängungsverlusten kann in der Maschinenauslegung auf vielfältige Weise genutzt werden. Die Erhöhung des Nutfüllfaktors ermöglicht auch die Verwendung von Aluminium zur Spulenherstellung. Die Herausforderung war bisher die funktionssichere Verschaltung der Aluminiumspulen mit Kupferleitern. In aktuellen Forschungsarbeiten wurde dieser Verfahrensschritt nun optimiert und qualifiziert. Die mit gießtechnischen Verfahren herstellbare Spulengeometrie mit flacher Leiteranordnung bietet entscheidende Vorteile gegenüber konventionell hergestellten, gewickelten Spulen. Durch diese besondere Fertigung ist eine spezifische und individuelle Anpassung des Leiterquerschnitts realisierbar, wodurch der zur Verfügung stehende Bauraum in elektrischen Maschinen maximal genutzt werden kann. Auf diese Weise sind Nutfüllfaktoren von über 80 Prozent erreichbar. Bei der Substitution des Kupfers durch Aluminium im Aktivteil kann bei nahezu gleichbleibendem Wirkungsgrad eine Gewichtsreduzierung von bis zu 50 Prozent ermöglicht werden. Aufgrund der flachen Konstruktion ermöglichen neue Kühlkonzepte darüber hinaus eine zusätzliche Steigerung der Stromdichte. In verschiedenen Anwendungen wurden die Machbarkeit und die technologischen Vorteile gegossener Spulen bereits nachgewiesen.
Aluminiumspulen mit Kupferleiterbahnen
Die Kombination aus hohem Füllfaktor, exzellentem thermischen
Verhalten und geringen Stromverdrängungsverlusten kann nun in der
Maschinenauslegung auf vielfältige Weise genutzt werden. Wird Kupfer
durch Aluminium ersetzt, muss der Querschnitt des Aluminiumleiters
gegenüber einem Kupferleiter, aufgrund der geringeren elektrischen
Leitfähigkeit (Kupfer ~58 MS und Aluminium ~36 MS), erhöht werden. Mit
der Verbindung der einzelnen Statorspulen durch den Verschaltungsring
führt diese Erhöhung des Leiterquerschnittes jedoch zu einem höheren
Bauraum; daraus resultiert ein größerer elektrischer Antrieb und damit
eine Reduzierung der volumetrischen Leistungsdichte. Dieser Nachteil
wird durch den Einsatz von Kupfer als Leitermaterial im
Verschaltungsring kompensiert. Hierdurch können die Leiter für die
Verschaltung kleiner ausgeführt werden und die notwendigen Isolations-
und Luftstreckenabstände werden eingehalten.
Fügeverfahren entscheidet über eine erfolgreiche Verbindung
Bisher bestand die Herausforderung die Kontaktierung zwischen den
gegossenen Aluminiumspulen und den Kupferleitern funktionssicher
durchzuführen. Eine schlechte Verbindung würde zu einer Erwärmung der
Kontaktstelle führen, was somit eine erhöhte Verlustleistung und ggf.
Schädigung bis hin zum Defekt des Antriebes führt. Die elektrische
Kontaktierung zwischen Aluminium und Kupfer und der Einsatz dieser
Verbindung als elektrischer Leiter ist unter anderem aufgrund der
entsprechenden Alterungsmechanismen (Interdiffusion, Reibkorrosion,
chemische Korrosion, Entfestigung und Elektromigration) Gegenstand der
Forschungsaktivitäten am Fraunhofer IFAM. Die wirkenden Mechanismen bei
der Fügung können den Alterungsprozess bereits in der Fertigung
anstoßen, was vorwiegend bei stoffschlüssigen Verbindungen der Fall ist.
Bei diesen Verbindungen entstehen intermetallische Phasen zwischen
Aluminium und Kupfer, welche einen erhöhten elektrischen Widerstand und
sprödere Mikrokontakte in der Verbindung zur Folge haben. Die
intermetallischen Phasen können bei Erwärmung z. B. durch den
elektrischen Strom im skizzierten Anwendungsfall vorwiegend durch die
Grenzflächendiffusion wachsen. Aufgrund der zunehmenden
»Zwischenschicht«, welche isolierend wirkt, fällt mehr Verlustleistung
an. Dies hat wiederum eine Erhöhung der Wärmeentwicklung zur Folge.
Gegenteilig kann eine rein form-/kraftschlüssige Verbindung unter
Umständen zu einer Entfestigung und der Bildung von Oxidschichten auf
der Oberfläche beider Werkstoffe führen. Somit ist die Auswahl eines
entsprechenden Fügeverfahrens für die Kontaktierung der gegossenen
Aluminiumspulen und den Kupferleitern für den langfristigen Einsatz des
elektrischen Antriebes ausschlaggebend.
Kontaktierung mit hohem technischen Anforderungsprofil
Für den effizienten Einsatz von Kupferleiterbahnen als
Kontaktierungselement haben die Wissenschaftler am Fraunhofer IFAM
unterschiedliche Fügeverfahren hinsichtlich ihrer Eignung geprüft.
Verglichen wurden hier diverse Löt-, Umform-, Klebe- sowie geschweißte
und montierte Verbindungen. Der Fügeprozess musste zudem folgende
Anforderungen erfüllen: umweltfreundliches Verfahren (z. B. kein Einsatz
von gesundheits- oder umweltschädlichen Stoffen), minimaler Aufwand
(keine Vorbehandlungen oder Prozesszwischenschritte), Serienfertigung
möglich, Fügetemperatur sollte der thermischen Klasse H (max. 180 °C)
der Isolierstoffklasse nach DIN EN 60085 entsprechen und die Fügung soll
im eingebauten Zustand erfolgen, d.h. die Spulen sind bereits auf das
Blechpaket montiert.
Ultraschallschweißen überzeugt
Die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen zeigen, dass
Festphasen Fügeverfahren das hohe Anforderungsprofil erfüllen. Wird die
Fügetemperatur unter 300 °C gehalten, werden i.d.R. keine Mischphasen
erzeugt und die Verbindung weist einen niedrigen elektrischen Widerstand
mit hinreichender Festigkeit auf. Detaillierte Untersuchungen
hinsichtlich der Festigkeit mit Zugscherversuchen und dem
Übergangswiderstand ergaben, dass die Fügung mittels
Ultraschallschweißen als sehr erfolgsversprechend anzusehen ist. Dieses
Verfahren erfüllt die gestellten Vorgaben und bietet großes Potenzial
für weitere Technologieoptimierungen. Die flächige Werkzeuganordnung
ermöglicht eine Fügung der beiden Kontaktpartner mit sehr guten
Verbindungseigenschaften. Je nach Anwendung kann eine Optimierung
hinsichtlich Festigkeit und Bildung von intermetallischen Phasen durch
Variation der Prozessparameter erzeugt werden, bei nahezu
gleichbleibendem elektrischen Widerstand.