Wasserdicht dank flinker Laser
© Fraunhofer IWS Dresden Die Fraunhofer-IWS-Technologie unter der Bezeichnung »remoweld®FLEX« eignet sich für qualitativ besonders anspruchsvolle Prozesse, insbesondere für Bauteile, die gegen Wasser und andere unerwünschte Umwelteinflüsse mediendicht verschlossen werden müssen.
Fraunhofer-Ingenieure aus Dresden haben ein neues Laserschweißverfahren entwickelt, das auf einem schnell pendelnden Laserstrahl basiert. Diese Technologie unter der Bezeichnung »remoweld®FLEX« eignet sich für qualitativ besonders anspruchsvolle Prozesse – insbesondere für Bauteile, die gegen Wasser und andere unerwünschte Umwelteinflüsse mediendicht verschlossen werden müssen. Dazu gehören bislang als nahezu unschweißbar geltende Gehäuse für elektrische und elektronische Bauteile, Wärmetauscher und Kühlung, die häufig aus Alu-Druckguss bestehen. An der Entwicklung beteiligt waren das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS sowie die Maschinenfabrik Arnold aus Ravensburg.
Die neuen Schweißköpfe aus Dresden sind nicht nur für
den Elektroautomobilbau interessant, ist Dr. Dirk Dittrich überzeugt,
der am Fraunhofer IWS die Gruppe für Laserstrahlschweißen leitet. »Wir
sehen viele Anwendungsszenarien«, betont er. Wenn die Industrie künftig
beispielsweise motornahe Kühlwasserkreisläufe mit hochbelastbaren
Laserschweißnähten statt mit Schrauben und Kunststoff abdichten kann,
dürfte dies die Lebensdauer und die Ausfallsicherheit der Motorkühlungen
deutlich verbessern.
Widerspenstige Alu-Druckgussteile
Das neue Verfahren empfiehlt sich überall dort, wo schwer schweißbare
Materialien im Einsatz sind und wo Bauteile bisher nur mit ganz
klassischen Mitteln – und teilweise noch per Hand – abzudichten sind.
Ein Beispiel dafür ist die Elektroautoproduktion. In diesen Fahrzeugen
müssen Batterien und andere elektrische Steuergeräte gekühlt werden. Die
Elektrik aber darf wiederum nicht mit dem Kühlwasser in Kontakt kommen,
sonst entstehen Kurzschlüsse. Daher werden Steuergeräte oft durch
Gehäuse aus leichtem Aluminium-Druckguss geschützt. Nach der Montage
werden sie durch aufgeschraubte Deckel und Kunststoffdichtungen
verkapselt. Das ist zwar umständlich, war bisher aber kaum anders zu
lösen. Denn Aluminium-Druckguss ließ sich nicht zuverlässig genug
wasserdicht verschweißen. Der Grund dafür sind gasgefüllte Hohlräume im
Alu-Druckguss. Schneidet ein klassischer Laser diese »Kavitäten« an,
ähnelt der Effekt einem abrupt geöffneten Luftballon: Das
eingeschlossene Gas entweicht schlagartig aus dem Hohlraum und
schleudert die flüssige Metallschmelze gleichzeitig heraus, die der
Laser eben erzeugt hat. Erkaltet die Naht in diesem Zustand, bleiben
Fehlstellen zurück. Durch solche kleine Undichtheiten könnte letztlich
Wasser die Elektrik erreichen.
Feiner Laserstrahl rasant bewegt
Die IWS-Entwickler haben einen Weg gefunden, wie sich solche
Alugussteile trotzdem sicher und wasserdicht verschweißen lassen: In dem
»remoweld®FLEX«-Arbeitskopf pendelt der Laserstrahl mit einem
geringen Strahldurchmesser von nur etwa einem Zehntelmillimeter rasant
über das Material. Vorstellen könne man sich dies wie den Einsatz einer
Präzisionsnadel anstelle eines groben Brenners, erklärt Dirk Dittrich.
Diese »Lichtnadel« schwingt mehrere Tausend Mal pro Sekunde im
Schmelzbad: Das ESL2-100 Modul, eine am Fraunhofer IWS entwickelte
Systemtechnik um Laser-Scanner direkt in die Anlagensteuerung (SPS)
einzubinden, steuert die Bewegung präzise und reaktionsschnell pendelnd
entlang der gewünschten Konturen. Dabei entsteht eine sehr gleichmäßige
und vor allem wasserdichte Schweißnaht.
»Wir haben damit eine sehr
attraktive Lösung für mittelständische Automobilzulieferer und viele
andere Industriekunden gefunden«, ist der Gruppenleiter überzeugt.
Möglich geworden sei dies durch ein gut abgestimmtes Zusammenspiel von
Laser-Scannern, Spiegeloptiken, Echtzeitsteuerungen und weiteren
Systemkomponenten. Zudem sind die Lasermodule flexibel erweiterbar. Sie
lassen sich zum Beispiel mit Hochgeschwindigkeitskameras für die
Echtzeitqualitätskontrolle koppeln. Auch erfasst die Anlage zahlreiche
Sensordaten während des Schweißprozesses, die Hinweise auf
Optimierungspotenziale geben können.
Wichtiger Schritt zu Industrie 4.0 und Digitalisierung
Insofern ist die »remoweld®FLEX «-Technologie auch ein
wichtiger Schritt hin zur Industrie 4.0: »Laserschweißprozesse
ermöglichen einen sehr hohen Automatisierungsgrad im Vergleich
beispielsweise zum Schrauben«, erklärt Dirk Dittrich. Dadurch lassen
sich Digitalisierungslücken in der Produktion schließen. Denn die
Arbeitsschritte eines Monteurs, der einen Anschlussstutzen manuell
abzudichten versucht, lassen sich beispielsweise nur schwer in
computerfassbare Werte übersetzen. Ein Laserschweißkopf dagegen arbeitet
ohnehin digital.
Anderseits können die Nutzer aus den ausgelesenen
Prozessdaten digitale Bauteilakten gewinnen. Diese detaillierten
elektronischen Dokumentationen sind in immer mehr Branchen gefragt, um
spätere Regressansprüche bei Defekten regulieren zu können und um in der
Massenproduktion auf eine gleichbleibend hohe Fertigungsqualität zu
kommen. »Hier sind durch unsere Verfahren Riesenfortschritte möglich«,
schätzt der Gruppenleiter ein.